





![]() | Heute | 30 |
![]() | Woche | 98 |
![]() | Monat | 873 |
![]() | Alle | 147274 |

Unser täglich Brot
Es geht um DAS Thema, um welches sich bei manchen Menschen ihr ganzes Leben drehen kann. Kaum ein anderes Thema erhitzt mehr Gemüter und ist gleichzeitig das intimste überhaupt. Nein, es geht nicht um Sex, darüber wird in Talkshows diskutiert und groß auf den beBILDerten Seiten gelästert und "enthüllt".
Es geht darum, was wir tagtäglich in uns hineinstopfen, über unsere Ernährung.
"Man ist was man isst". Jemand anderer hat dazu gesagt: Dann bin ich lieber eine Blume als ein Schwein... Dem können wir uns beide nur anschliessen. Vor über 10 Jahren haben wir unabhängig voneinander aufgehört Fleisch zu essen. Wir haben es auch beide nie bereut.
Die Entscheidung, Vegetarier zu sein, lässt einen immer noch in unserer Gesellschaft zu einem Outsider werden. Die Reaktionen der Umgebung sind sehr unterschiedlich, lassen sich aber grob in 3 Kategorien einordnen:
1. Misstrauen. "Geht das überhaupt? GAR kein Fleisch? Und was ist mit Hähnchen? Aber Wurst esst ihr doch, oder?"
2. Interesse. "Habe ich schon davon gehört, gelesen, etc, aber noch nie einen Vegetarier gesehen. Wenn ihr kein Fleisch esst, was esst ihr dann? Und wie fühlt ihr euch dabei?"
3. Begeisterung (viel zu selten). "Finde ich toll, würde ich selbst gerne machen, aber..." Danach hören wir die abenteuerlichsten Ausreden. "Ich vertrage kein rohes Gemüse, deswegen esse ich Fleisch, damit ich überhaupt Vitamine bekomme", "Mein Arzt sagt, das Fleisch ist gesund", "Ich bin sowieso schon so gut wie Vegetarier, ich esse selten Fleisch, maximal ein oder zwei Mal in der Woche. Was mache ich morgens auf Brot? Schinken, Salami, Leberwurst... Mett von dem Fleischer ......, das schmeckt gut, das müsst ihr mal probieren!"
Es ist also sehr amüsant, die Leute mit unserem Anders sein, insbesondere was das Essen betrifft, zu konfrontieren. Oft ist an dieser Stelle das Gespräch schon zu Ende oder das Thema wird schleunigst gewechselt. Beim Verabschieden wird keine Hand gegeben (es könnte ja ansteckend sein). Entwickelt sich das Gespräch weiter, kommt unweigerlich die Frage nach dem Grund. Wir haben zwei: Ethik und Gesundheit.
Bei dem ethischen Grund ernten wir meistens Verständnis. Kaum einer findet es gut, was wir Menschen den Tieren antun. Allerdings verbinden die Wenigsten den Schnitzel auf dem Teller mit einem sehr intelligenten Wesen, welches über 30 Jahre alt werden kann, nämlich Schwein. Diese Trennung im Bewusstsein zwischen dem Endprodukt Fleisch und dem Tier wird von der Industrie und den Medien extrem vorangetrieben. Dies bringt dann auch sonderbare Blüten hervor:
In einem deutschen Zoo entscheidet man sich, die Tiere, die sich extrem stark vermehrt haben (Rehe, Ziegen, Antilopen), zu töten und den Raubtieren zu "servieren". Ein absolut normaler Vorgang, der in JEDEM Zoo stattfindet. Nur hat die Zoo-Leitung entschieden, die Kadaver als Ganzes zu verfüttern. Und dies hatte einen landesweiten Aufschrei der Empörung zur Folge, denn plötzlich konnten die Besucher miterleben, wie ein Tiger ein (totes) Reh zerlegt! In den USA geht dieser Wahnsinn noch weiter: in den dortigen Zoos dürfen die Raubtiere nur Hackfleisch bekommen, eine Keule oder ein halbes Schaf könnte die Gefühle der Besucher verletzen. Dass man dann den Tieren ein Mal pro Jahr sehr aufwendig unter Narkose die Zahnsteine entfernen muss, das nimmt man dann in Kauf.
Müssten die Menschen die Tiere selbst schlachten, um Fleisch zu bekommen, wären 99 % der Bevölkerung Vegetarier.
Mehrmals haben wir den Argument gehört, "Ich finde die Massentierhaltung und die Schlachthäuser schrecklich, aber wenn alle Vegetarier werden, was passiert dann mit dem Fleisch? Man kann es ja nicht wegschmeissen!" Sehr logisch. Also, wir müssten alle Arsen nehmen, denn es ist ja produziert, und wenn wir es nicht nehmen, müsste es weggeschmissen werden...
Über eine Geschichte müssen wir immer wieder lachen: Eine junge Frau erzählt uns von einem Bericht im Fernsehen darüber, wie die Hähnchen gehalten und geschlachtet werden. "Es war so schlimm, ich konnte danach mindestens einen Monat lang kein Hähnchen mehr essen!" Auf die Frage, was sie denn in der Zeit gegessen habe, meinte sie wie selbstverständlich: "Pute.." ... no comment ...
Bei der Frage nach gesundheitlichen Aspekten sind die Reaktionen meistens heftiger. Es wird von den Vorteilen des Fleischkonsums erzählt, ja von Zwang und Verpflichtung der eigenen Gesundheit gegenüber. Wenn wir dann nach "Warum" fragen, reicht die Palette der Antworten von "Es muss eben sein!" bis zu den Geschichten von Mangelerscheinungen u.s.w.
Sehr auffällig ist dabei, dass wir alleine durch die bloße Existenz als Vegetarier ein starkes Reizthema sind. Obwohl wir jeden so leben und so essen lassen wie er möchte, versuchen die Leute uns zu bekehren. Es scheint, als wären wir eine Bedrohung. Denn wir zwingen jeden, eine Stellung zu beziehen, die Verantwortung zu übernehmen. Es ist sehr bequem, so zu leben, wie man immer gelebt hat. Wird man mit uns konfrontiert, muss man Frage und Antwort stehen. Nicht uns gegenüber, wir richten nicht und wollen niemanden überreden oder überzeugen.Sondern nur und ausschließlich SICH SELBST gegenüber.
Wie soll die Welt aussehen? Was wollen Sie sein?
Fortsetzung folgt....
| < Zurück | Weiter > |
|---|






