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PostHeaderIcon Heute schon eine Schnecke geküsst?

PostAuthorIconGeschrieben von: Eduard Repp | PDF | Drucken | E-Mail

Lautet der Titel eines Buches. Ehrlich gesagt, noch nicht gelesen. Aber der Titel gefällt mir so gut. Und, haben Sie heute schon..?

Ich auch nicht. So weit geht unsere Freundschaft dann doch nicht. Aber zumindest ist es keine Feindschaft mehr.

Es war aber nicht immer so. Im letzten verregneten Sommer haben sie uns so gut wie kein Gemüse übergelassen. Wir haben mehrere Versuche mit Zucchinis und Kürbissen gestartet, nach einer Nacht waren die Pflanzen ratzekahl aufgefressen. Wir haben kein einziges Radieschen geerntet.

Dieses Jahr aber haben wir jeden Tag was geerntet, Radieschen, Salat, Rettiche, Spinat. Die Zucchinis bereiten schon die erste Schwemme vor, die Kürbispflanzen sind voller kleiner Kürbisse. Und wir haben nicht das Gefühl, dass wir weniger Schnecken haben. Wie kommt es, dass wir trotzdem so gut ernten können?

Das Rezept ist ganz einfach. Wir haben im Frühjahr ein ernstes Wörtchen mit den Schnecken geredet. Im Ernst, wir sind hinten aufs Feld gegangen und haben einen Vertrag mit den Schnecken geschlossen. Wir haben denen versprochen, dass wir nicht gegen sie vorgehen werden, weder Schneckenkorn noch Bierfallen anwenden werden (hätten wir sowieso nicht gemacht, das müssen die aber nicht wissen!), dafür sollen sie uns den größeren Anteil von Allem überlassen was wir sähen und pflanzen. Und es funktioniert!

Damit es funktioniert, gibt es ein Paar Regeln zu beachten. Erstens, man muss genauen Anteil festlegen, es reicht nicht zu sagen, wir wollen das meiste. Andererseits sollte die Rechnung nicht zu kompliziert sein, ich weiß nicht ob die Schnecken die Differential-Rechnung beherrschen. Mit Bruch-Rechnung kommen sie aber gut klar. Wir haben denen zum Beispiel großzügig ein Drittel zugestanden, zwei Drittel sind für uns. Manch einer wird lachen, aber es ist wirklich so, wenn wir abends 3 vorgezogene Zucchini-Pflanzen nach draussen setzen, ist am Morgen danach eine davon komplett weg. Die zwei anderen werden aber nicht angerührt, auch später nicht.

Zweitens, man muss den Vertrag mindestens ein Mal pro Saison erneuern. Die Schnecken haben scheinbar auch das Problem, dass die Jüngeren nichts mit den Alten zu tun haben wollen. So können die mündlichen Überlieferungen nicht weitergegeben werden. Kann sein, dass die Jüngeren einfach rebellisch sind und die Grenzen nicht mehr akzeptieren. Wir haben 2008 mit der Methode guten Erfolg gehabt, warum wir die 2009 nicht fortgesetzt haben, bleibt uns auch ein Rätsel.

Aus diesjähriger Erfahrung müssen wir noch einen räumlichen Aspekt dazu rechnen. Wenn es 2 räumlich getrennte Kolonien von Schnecken gibt, sollte man mit jeder davon einen extra Vertrag schliessen (Nein, die Bedingungen müssen nicht mit jeder einzelnen Schnecke ausgehandelt werden!). Wir haben uns an die Schnecken hinten auf dem Feld gewandt in der Gewissheit, es reicht es nur einmal auszusprechen. Hinten funktioniert es auch wunderbar. Neben dem Haus haben wir auch ein kleines Kartoffelbeet angelegt und mehrere Schalen mit Kräutern gesät. Weder Kartoffeln noch Kräuter haben überlebt. Und die Schnecken behaupten, noch nie etwas von einem Vertrag gehört zu haben!

Man kann natürlich nach einer anderen Ursache dafür suchen, warum unsere Pflanzen verschont bleiben. Kann sein, dass der Mulch die Schnecken etwas zurückhält, wir sehen sie seltener auf dem Heu kriechen. Ist bestimmt nicht ganz angenehm. Haben Sie schon mal probiert, ohne Kleidung auf dem Heu zu kriechen? Es macht keinen Spaß, zumindest nicht alleine!

Interessanterweise sind die Gemüse-Beete die einzigen, die wir noch nicht gemulcht haben. Liegt daran, dass wir wieder einfach verschiedene Samen zusammen gemischt und einfach gestreut haben. So haben wir keine Reihen, zwischen denen wir mulchen könnten.

Also muss es wirklich an der Absprache liegen! Und wenn wir was verloren haben, es bleibt noch mehr als genug übrig!

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