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PostHeaderIcon Gärtnern für Faule - Die Vorgeschichte

PostAuthorIconGeschrieben von: Eduard Repp | PDF | Drucken | E-Mail

Haben Sie eine Anbau-Methode für faule Gärtner (also für uns!)? Wir glauben eine Methode gefunden zu haben.

Aber alles der Reihe nach.

Im Frühjahr 2007 standen wir vor einer großen Wiese teilweise mit hüfthohen alten Gras. Irgendwie konnten wir uns nicht so richtig vorstellen, wie wir hier was anbauen sollten. Unser Blick fiel dann auf das Feld, welches zwar uns gehörte, aber von der Agrargenossenschaft bewirtschaftet wurde. Die Grenze machte einen Knick, unser Wiesengrundstück war ca 30 Meter kürzer als bei anderen Nachbarn links neben uns. Was wäre, wenn wir dieses Stück einfach aus dem Vertrag rausnehmen und selbst bewirtschaften?

Der Verantwortliche bei der Agrargenossenschaft hatte nichts dagegen, wir sollten das Stück einfach abstecken. Wenn aber schon gesät wurde, ginge es erst nach der Ernte. Klar.

Wir haben die Grenze dann abgesteckt, zufälligerweise (;-)) nach dem Pflügen aber kurz vor dem Sähen.

Von einigen Nachbarn durften wir die Komposter leeren, den Kompost verteilten wir auf dem Land. Die Erde war recht locker, wir hatten keine Probleme, Kartoffeln zu stecken und Beete anzulegen. Wir hatten die meisten Samen einfach zusammen gemischt und auf dem Land gestreut. ACHTUNG! Diese Methode ist für die Kulturen gut, die man auch als Pflanze schon kennt. Es schoß dann plötzlich alles Mögliche. Wir konnten nicht immer alles identifizieren. Zum Beispiel hatten wir plötzlich große Pflanzen, sogar ein bekannter Gärtner konnte uns nicht sagen, was das war. Irgendwann erkannten wir sie als Senf, wir hatten auch die Reste von einer Keim-Mischung für unser Bio-Snacky mit verteilt. Andererseits haben wir uns über so viele Kohlpflanzen gefreut, die am Ende sich doch als Raps herausstellten. Wir hatten auch Schwarzwurzel gesät, erst nach 3 Jahren haben wir erkannt, dass er doch bei uns gekommen war und sich immer wieder ausgesät. Wir haben sie für Unkraut (ist ja gut, Unkraut gibt es nicht, es gibt nur nicht ganz erwünschtes Beikraut) gehalten.

Alles gedieh sehr gut, die Ernte war reichlich. Vor allem die Kartoffeln überraschten uns mit Geschmack, Farbe, Größe und Anzahl der Knollen. Wir sahen uns schon als die Kartoffel-Barons von Sohland. Um es zu werden, brauchten wir natürlich noch mehr Land.

Das Grundstück rechts neben uns ist das letzte in der Reihe und die Grenze des Feldes verlief genauso geknickt. Der Traktor musste auf dem engen Stück 3 Mal drehen. Die Besitzerin, 85-jährige Frau, der wir öffter ausgeholfen haben, hatte nichts gegen den sogenannten Landtausch. Die Agrargenossenschaft begrüßte es sogar, so war das Feld einfach nur gerade und konnte einfacher bewirtschaftet werden. Im Herbst wurde das ganze Feld umgepflügt, kurz danach steckten wir die Grenze ab.

2008. Leider war der umgepflügte Boden bis zum Frühling wieder hart und fest geworden. Auf unserem ersten Stück hatten wir auch immer mehr "Beikraut". In Kasachstan hatten wir den Boden jedes Jahr umgegraben, das schaffen wir doch auch hier! Wir haben schon an verschiedene Experimente gedacht, in erster Linie ging es uns aber darum, zu beweisen, dass wir uns versorgen können. Dabei griffen wir auf das Bewährte zurück.

Ich habe 6 Wochen lang gegraben. Es waren bestimmt 800-900 qm. Hatte es schon jemand Mal gemacht? Es sind Tonnen über Tonnen an Erde, die dabei mit dem Spaten umgeworfen werden. In der Zeit habe öffter darüber nachgedacht, wo wir günstig ein Paar Sklaven für diese Arbeit kriegen...

Im Herbst hatten wir so viel Kartoffeln, dass wir bis zum Frost es nicht schafften alles zu ernten. Von den geernteten blieb auch jede Menge unsortiert in der Scheune liegen und erfror im Winter. Da wir nicht zertifiziert sind, konnten wir die Kartoffeln nicht im Bio-Laden anbieten. Die großen Ketten kaufen alle zentral ein, dafür sind wir dann zu klein. Wir haben an unserem Grundstück einen Tisch Kartoffel-Tüten hingestellt, daneben eine offene Kasse. Die meisten waren sehr interessiert, verkauft haben wir aber dabei nur ganz wenig. Da haben wir uns entschieden, das ganze eine Nummer kleiner zu betreiben, nur für uns.

2009. Wir haben die Kartoffel-Sorten reduziert, auch die Fläche sollte viel kleiner sein. Beim Graben half uns ein Bekannter, den Rest haben wir dann zu zweit bearbeitet. Das Schwierige dabei war das Entfernen der Beikraut. Zwischen die Kartoffel-Reihen haben wir den Rasenschnitt verteilt, soweit es reichte. Da haben wir auch eine interessante Entdeckung gemacht. Da wo wir den Schnitt haben liegen lassen, waren die Pflanzen erheblich größer als sonst. Es war wie abgeschnitten. Da habe ich dann mehrere Kubikmeter Sägespäne auf die restlichen Beete verteilt. Es hat zwar geholfen, war aber eigentlich zu spät. 2009 war kein gutes Jahr. Erst war es sehr lange sehr heiß und trocken, dann hat es Monate lang geregnet. Vom Gemüse haben wir so gut wie nichts geerntet, die Schnecken vertilgten alles was nicht schnell genug war. Manchmal hatten wir das Gefühl, wir solten nicht alleine aufs Feld gehen, es könnte ja sein, dass die Schnecken einen einzelnen Menschen anfallen und überwältigen könnten... Die Kartoffeln erkrankten an Braunfäule und mussten vorzeitig geerntet werden, solange die Krankheit nicht bis zu den Knollen vordrang. Die meisten waren eher klein, auch die Menge war nicht berauschend. Ab Mai 2010 mussten wir zum ersten Mal seit Jahren wieder Kartoffeln kaufen.

Fortsetzung folgt...

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