





![]() | Heute | 30 |
![]() | Woche | 98 |
![]() | Monat | 873 |
![]() | Alle | 147274 |

Unser täglich Brot - Der Weg
Im Dezember 2000 hatte mich meine damalige Freundin gefragt, was ich von der Idee halte, ab dem 1. Januar Vegetarier zu werden. Ich fand die Idee gut, denn der Gedanke, auf Fleisch zu verzichten, gefiel mir immer mehr. Ich war allerdings zu bequem, selbst aktiv zu entscheiden.
So haben wir diesen Entschluss an unsere Freunde und Verwandte mitgeteilt und natürlich gleich einen Sturm aus Skepsis, Unverständnis aber auch Neugierde geerntet.
Silvester gehöre noch zum alten Jahr, haben wir gemeinsam entschieden. Da haben wir noch die Sau rausgelassen, bzw. gegessen. Auf der Feier waren wir DAS Thema, auch die ersten Rezepte haben wir weitergeben können, denn wir besaßen schon ein Paar vegetarische Rezept-Bücher.
Die Wurst aus dem Kühlschrank wurde auch gegessen, es wurde einfach kein Nachschub mehr gekauft. So kann ich nicht genau sagen, wann ich den letzten Fleischbissen bewusst gekaut habe, länger als 2 Wochen werden die Vorräte wohl nicht gereicht haben.
Die Umstellung war erstaunlich einfach, ich hatte seitdem kein Verlangen oder Appetit nach Fleisch, egal welcher Art. Fairerweise muss ich erwähnen, dass wir uns für den "sanften" Umstieg entschieden haben, d.h. wir haben ein Jahr lang hin und wieder Mal Fisch gegessen. Bis wir auch dies abgelegt haben, symbolischer Weise auch zum Jahreswechsel.
Eins muss ich sagen - die Entscheidung, sich vegetarisch zu ernähren, fördert stark die grauen Gehirnzellen. Denn plötzlich ist die Kreativität gefragt, beim Kochen zu Hause und mehr noch, wenn man auswärts essen will oder muss. Es ist wohl dem Geist der Zeit zu verdanken, dass es in der Uni-Mensa jeden Tag mindestens ein vegetarisches Gericht gab. Gingen wir abends Mal aus, so wurden Italiener uns viel lieber als Chinesen. Denn eine Pizza kann man auf vielfältige Weise vegetarisch belegen, während ein Buffet im chinesischen Restaurant (früher sehr beliebt) nur Reis und ein - maximal zwei Gemüsegerichte für uns bereithielt.
Nach ca. 2 Monaten habe ich eine plötzliche Veränderung im Geschmacksempfinden festgestellt. Ich kann es mit jemandem vergleichen, der von Geburt an alles nur trübe und neblig gesehen hat und plötzlich eine passende Brille bekommt. Auf einmal schmeckte alles viel intensiver, viel lebendiger! Als wäre vorher meine Zunge mit einem Belag überzogen gewesen, der den Geschmack abstumpfte. Eine spätere Recherche hatte diese Erfahrung bei den meisten Vegetariern nach der Umstellung bestätigt.
Eine weitere Veränderung war, dass mein Körper mir plötzlich viel deutlichere Signale gab, wenn er etwas brauchte. Eine Zeit lang hatte ich großen Appetit auf Mandeln, nicht selten aß ich eine Tüte davon am Tag. Kurz darauf fragte mich jemand, wie ich die Folsäure substituiere, denn diese würde oft den Vegetariern fehlen. "Keine Ahnung, - war meine Antwort - ich mache mir einfach keine Gedanken darüber". Später las ich in einem Kochbuch, dass die höchste Konzentration der Folsäure in MANDELN zu finden ist. Also brauche ich nur auf meinen Körper zu hören, der wird schon das Richtige für ihn verlangen.
Es war schwierig für uns, die Essenseinladungen zu den Bekannten und Verwandten anzunehmen. Oft waren die Gastgeber ratlos, was sie uns servieren könnten. So haben wir angefangen, sie zu uns einzuladen. Jedes Mal haben wir uns Mühe gegeben, etwas Besonderes aufzutischen. Es durfte aber nicht zu kompliziert sein. Und fast immer wollten die Gäste die Rezepte hinterher aufschreiben. Mit der Zeit veränderten sich die Menüs bei den Feiern, es gab immer mehr vegetarische Gerichte dabei (demnächst werden wir unsere Lieblingsrezepte hier veröffentlichen).
Wenn man uns fragte, was wir denn seien - Veganer, Fruktaner oder sonst was, haben wir immer gesagt: wir essen alles, was keine Augen hat (außer Kartoffeln, die haben welche) und wofür kein Tier sterben muss. Nach dieser Maxime haben wir ziemlich lange gelebt, bis Ende 2009 Bewegung in das Ganze kam. Darüber aber später...
| < Zurück | Weiter > |
|---|






